Beamer und kein Ende

Vor Jahren war es das betrügerische Geschäftsmodell der Pro Sale Marketing GmbH, das mich beschäftigte und über das ich auch hier berichtet hatte: kleinen Gewerbetreibenden wird ein “Beamer” aufgeschwatzt mit einem Leasingvertrag. Das Geschäft wird dadurch schmackhaft gemacht, dass zum einen parallel ein Mietvertrag über “Werbeflächen” abgeschlossen wird, der die Leasingraten fast kompensiert, und dass dem Kunden ein “garantiertes Rückgaberecht” nach einem Jahr Vertragslaufzeit zu einem fest bestimmten Preis versprochen wird.

Ist das eine Jahr um, kommt das böse Erwachen: irgendwo in den AGB ist der Passus versteckt, dass die Rückgabeoption nur gilt, wenn der Kunde Eigentümer des “Beamers” ist – was allerdings bei einem Leasingvertrag von vornherein ausscheidet. Auch die versprochene “Miete” kommt nicht mehr – und auf dem teuren Leasingvertrag bleibt der Kunde sitzen.

Auch ein Blick aufs Gerät erweckt Zweifel, ob das ein “Business Beamer” ist – Diaprojektor wäre wohl angemessener.

Die Pro Sale Marketing GmbH ist Geschichte, die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen laufen vor sich hin und ich durfte viel zum Phänomen der illegalen Firmenbestattung lernen und hier veröffentlichen.

Die Außendienstmitarbeiter der Pro Sale Marketing GmbH hatten nun aber gelernt, wie man es machen kann: sie gründete flugs die Lightsys GmbH & Co. KG in Dresden und versuchten sich in dem einmal erlernten Geschäft. Mittlerweile 10 Fälle liegen mir dazu aktuell vor. Gestern habe ich bei der Polizei in Dresden Akteneinsicht in die Ermittlungsakten genommen: 150 Fallakten, umfangreiche Ermittlungsakten und kein Ende abzusehen. Daneben laufen zahlreiche Zivilprozesse vor den unterschiedlichsten Gerichten, weil die Leasingfirmen nicht auf ihre Raten verzichten wollen – schließlich haben sie den 6fachen Wert des Gerätes an die Lightsys bezahlt.

Unnötig zu erwähnen, dass es auch die Lightsys inzwischen nicht mehr gibt.

Vorige Woche nun der Anruf eines weiteren Geschädigten: gleiches Modell, gleiche Leute, neue Firma, diesmal aus Berlin (wohl aber auch schon wieder verschwunden).

Es ist schon erstaunlich, wie lange sich ein kriminelles Geschäftsmodell hält und wie viele Hundertausende man damit ergaunern kann.